¯\_(ツ)_/¯

20260126. Alle können alles

Multitasking


Das Evangelium der totalen Inkompetenz: Wenn alle alles können, ist niemand mehr irgendwer!

Jetzt ist es also soweit. Der Vorhang fällt vor der Expertise, und dahinter erscheint: das Nichts. Oder schlimmer noch – ein 25-sekündiges Tutorial mit Untertiteln. Wir haben das Zeitalter der Dilettanten betreten.
Willkommen in der neuen Weltordnung, in der «Wissen» nur noch die Zeitspanne zwischen einer Google-Suche und dem Ruhezustand des Laptops ist.

Es ist ein bizarrer Ringeltanz der Anmassung:
Der Buchhalter kann jetzt auch seine Webseite programmieren, der Programmierer kann seine Buchhaltung mit einem Softwareabo selber machen, die Tänzerin ist jetzt auch Choreografin und die Choreografin macht das Socialmedia eines Theaters. Der Grafiker fotografiert die Bilder die er für seine Grafik braucht selber und die Fotografin macht ihr Logo mit einer amerikanischen KI. Wir tauschen jahrelange Ausbildung gegen digitale Services und das mühsame Handwerk gegen einen Prompt.
Wir feiern das als «Effizienz», aber in Wahrheit ist es ein sozialer Kahlschlag.

Wenn ich niemanden mehr brauche, um etwas zu erschaffen, brauche ich auch niemanden mehr, um zu existieren. Wir sparen uns das Gegenüber weg. Wir sparen uns die Reibung, den Widerspruch, den fachlichen Austausch und das menschliche Genie. Am Ende sitzen wir alle in unseren perfekt optimierten, selbstgebastelten Kisten und lassen uns vom Chatbot die Schulter klopfen.

«Gut gemacht, Mensch!», säuselt die Maschine mit ihrer algorithmischen Kumpelhaftigkeit. Und wir glauben ihr die Wärme, weil wir vergessen haben, wie sich echte Anerkennung von einem echten Experten anfühlt.

Wir werden nicht reicher durch dieses «Alles-Können». Wir werden ärmer. Wir werden eine Gesellschaft von einsamen Alleskönnern, die nichts mehr richtig beherrschen – ausser der Illusion, dass wir uns selbst genug sind.
Gute Nacht, Fachverstand. Es war schön mit dir.
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